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Sie steht auf. Der Spiegel im Bad zeigt ihr heute noch mehr Augenringe. Der Spiegel. “Man sollte morgens einfach nicht mehr hinein sehen.”, denkt sie noch während sie sich die Zähne putzt. 

“In den verdammten Spiegel, sollte man nicht hinein sehen.”, denkt sie, und noch: “Jeden verdammten Tag das Selbe.”

Genau. Jeden Tag. Dabei dreht sie sich um und wandert zurück ins Schlafzimmer. Weiterschlafen. 

Auch keine Lösung. Es ändert ja nichts. Das Leben geht weiter, das wird einem ja immer gesagt. Also los. 

Während sie sich schnell eine Scheibe Käse aus dem Kühlschrank schnappt denkt sie noch, dass das sicher wieder so ein langer Tag wird. So ein langer Tag. An dem man sich schon morgens wünscht, er wäre schon vorbei. 

Aber Stopp. Halt. Nein. Das bedeutet ja wieder ein Tag mehr. 

“Die Zeit rennt so schnell”, denkt sie, “sie rennt so schnell und morgen wache ich auf und es hat schon wieder ein neuer Monat angefangen.”

Und doch sind alle Tage gleich.

Sie läuft schnell zurück ins Bad um ihr Haar in einen Dutt zu stopfen. Dann macht sie sich auf den Weg. 

Die Tür hinter ihr fällt leise ins Schloss. Und dann ist absolute Stille in der Wohnung. 

Abends kommt sie spät heim, die Stille hat auf sie gewartet. Sie streift ihre Schuhe am Eingang ab und tappt ins Schlafzimmer. 

Als sie endlich daliegt, umzingelt von der Ruhe ihrer Wohnung, kurz vorm Einschlafen, denkt sie nur: “Morgen geht es wieder einfach weiter.” Und noch: “Ja morgen. Weiter. Wieder ein Tag mehr. Ja morgen, da ist es fünfunddreißig Tage her.”

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