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Sie steht auf. Der Spiegel im Bad zeigt ihr heute noch mehr Augenringe. Der Spiegel. “Man sollte morgens einfach nicht mehr hinein sehen.”, denkt sie noch während sie sich die Zähne putzt. 

“In den verdammten Spiegel, sollte man nicht hinein sehen.”, denkt sie, und noch: “Jeden verdammten Tag das Selbe.”

Genau. Jeden Tag. Dabei dreht sie sich um und wandert zurück ins Schlafzimmer. Weiterschlafen. 

Auch keine Lösung. Es ändert ja nichts. Das Leben geht weiter, das wird einem ja immer gesagt. Also los. 

Während sie sich schnell eine Scheibe Käse aus dem Kühlschrank schnappt denkt sie noch, dass das sicher wieder so ein langer Tag wird. So ein langer Tag. An dem man sich schon morgens wünscht, er wäre schon vorbei. 

Aber Stopp. Halt. Nein. Das bedeutet ja wieder ein Tag mehr. 

“Die Zeit rennt so schnell”, denkt sie, “sie rennt so schnell und morgen wache ich auf und es hat schon wieder ein neuer Monat angefangen.”

Und doch sind alle Tage gleich.

Sie läuft schnell zurück ins Bad um ihr Haar in einen Dutt zu stopfen. Dann macht sie sich auf den Weg. 

Die Tür hinter ihr fällt leise ins Schloss. Und dann ist absolute Stille in der Wohnung. 

Abends kommt sie spät heim, die Stille hat auf sie gewartet. Sie streift ihre Schuhe am Eingang ab und tappt ins Schlafzimmer. 

Als sie endlich daliegt, umzingelt von der Ruhe ihrer Wohnung, kurz vorm Einschlafen, denkt sie nur: “Morgen geht es wieder einfach weiter.” Und noch: “Ja morgen. Weiter. Wieder ein Tag mehr. Ja morgen, da ist es fünfunddreißig Tage her.”

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Ändern.

Klar. Wir wissen alle nichts hält für immer.

Aber man denkt, mit zunehmendem Alter umso mehr, das die Dinge zählen.

Die Krisen, die man zusammen durchgestanden hat, all die guten und schlechten Momente, die man gemeinsam überstanden hat.

Man denkt, sie bedeuten etwas.

Nein.

Vielleicht nur, dass man damit doch irgendwie noch verbunden ist.

Aber Menschen ändern sich.

Wir haben uns gegenseitig die Hand gehalten, ich war für dich da, als du Hilfe gebraucht hast.

Und du für mich?

Jetzt würde ich dich gerne manchmal an deinen Haaren packen und sagen: “Sieh hin! Da sind wir!”

Während ich noch einmal Momente sehe, in denen wir zusammen gekämpft haben.

Wir haben zusammen gekämpft gegen die Ungerechtigkeit. Als du aufgeben wolltest, bin ich für dich in die Schlacht gezogen. Und du hinterher, weil du mich dann doch nicht alleine dort stehen lassen konntest.

Aber wir vergessen, dass Menschen sich ändern.

Menschen ändern sich.

Und leider, nicht alle zum Guten.

Red lights.

I still remember.
“Tell me the truth.”
Your car. You shiver.
The red lights.
They turn green.
Blowing horns.
Your face – so near.
You try to fib.
Red lights again.
Your very last words.
The truth.
Someone is screaming
that we have to drive.
Yesterday I dreamed about you.
Out of sudden.
All this is so far away.
In the past.
With the red lights.
You, touching me,
the very last time.
The lights turn green again.
And I open the door.
Goodbye.
Around me they scream and curse.
Can’t hear them.
Can’t see you,
’cause I don’t turn around.
My tears,
because in that moment I knew,
it was the very last time.
When I left you in your car.
At the red lights.