149

In seiner Wohnung ist alles wie immer. Alles noch da wo es vorher war. Sie wirkt wie immer ein bisschen leer, wie immer ein wenig unaufgeräumt. Er sitzt auf einem Hocker, sie ihm gegenüber, während er ihr das nächste Toastbrot reicht. 

“Ein bisschen wie früher”, denkt sie noch und das vielleicht doch alles wieder hier her führen sollte. 

Es ist ewig her, dass sie das letzte Mal hier war, ein gefühltes Jahrhundert – und während sie noch einen Bissen nimmt, spürt sie seine Blicke. Wie früher. So vertraut. Und doch irgendwie anders. 

Sie hatten sich gestritten, da in der fremden Stadt, dem fremden Land, in dem sie nie gemeinsam gelebt hatten. Eigentlich war es auch gar kein Streit. Mehr ein Abschied. So einer, nach dem nichts ist wie zuvor und man weiß, dass es nun kein Zurück mehr gibt. 
Und doch sind sie jetzt hier. Werfen sich verstohlene Blicke zu und frühstücken zusammen. So wie früher. Nur anders. 
Zwei Tage später sitzt sie auf dem gleichen Hocker, sie lachen. Noch ein bisschen irritiert von all dem was passiert ist. Sie fragt sich noch kurz wie seltsam das ist, dass nach all den Missverständnissen, nach den Abschieden und zu großen Unterschieden jetzt plötzlich alles sich so richtig anfühlt. Das sie nach all den Verletzungen sich wieder gefunden haben, zwischen ein paar Toastbrots, Sex in der Dusche, Sonnen im Park und langen Gesprächen über all das, was sie in all der Zeit nie ausgesprochen hatten. 
Es fühlt sich anders an. Aber anders besser. Er schaut sie an und grinst. 

“Lass uns noch in den Park gehen”, sagt er und nimmt sie an der Hand. 

Die Sonne im Gesicht, liegen sie ausgestreckt direkt auf dem Gras und träumen von einer besseren Zukunft. Er streicht ihr über den Bauch. Sie lächelt. Die Sonne und seinen Atem im Gesicht. 
Es sind noch 149 Tage bis dahin. 

6

Er sitzt am Strand. Seine Hände fühlen den weichen, fast weißen Sand. Sein Blick geht starr auf das Meer hinaus. 

Von außen betrachtet, wirkt sein Blick so verloren, ein wenig einsam, vielleicht gedankenverloren in Erinnerungen, die man nicht zurück holen kann. 

Langsam, mit Bedacht, aber seiner graziösen Bewegung, steht er auf. So wie er das immer macht. 

Man sieht ihm sein Alter nur an den Augen an, an dem weiten Blick, der soviel gesehen zu haben scheint. 

Sonst wirkt er auch heute noch jung, so wie immer. Und wenn er etwas verschmitzt grinst, wirkt er fast zu jung. So wie jetzt. Er grinst in sich selber hinein und man könnte meinen, er fand da doch noch eine, eine dieser verlorenen Erinnerung. 

Eine, an bessere Tage. 

Vorsichtig dreht er sich um und versucht sich zu orientieren. So wie er es immer macht mit Orten, die er nicht so gut kennt, dort, wo er nicht jeden Stein schon unter seinen Fußsohlen gespürt hat und ihm, danach beim zweiten oder dritten Male, einfach ausweichen kann. 

Er bahnt sich vorsichtig zurück seinen Weg. Dabei rempelt er aus Versehen einen jungen Mann an und kommt kurz ins Taumeln. 

Aber man spürt seine Verbindung zu seinem Körper, er fängt sich selbst wie eine Feder und weicht auf seine tänzelnde Art aus. 

Zurück, zu Haus angelangt, oder das, was nun sein zu Hause ist und auch einmal war, geht er mit federnden Schritten in die Küche. 

Hier kennt er jede Ecke. Hatte man ihm auch vorher kaum die Orientierungslosigkeit angesehen, hier spürt man sie endgültig nicht mehr. 

Er holt ein kleines Schneidebrett aus der Schublade und findet nach kurzem Absuchen mit der Hand über der Küchenzeile das Messer. 

Ein bisschen wie in Trance beginnt er das Gemüse zu zerkleinern, hier und da übersieht er ein bisschen Schale. 

Dabei grinst er noch immer so leicht verschmitzt. Aber schaut man genau hin, vermag man ein wenig Melancholie in diesem Grinsen zu sehen meinen. 

Heute ist es schon 6 Wochen her. 

34

Sie steht auf. Der Spiegel im Bad zeigt ihr heute noch mehr Augenringe. Der Spiegel. “Man sollte morgens einfach nicht mehr hinein sehen.”, denkt sie noch während sie sich die Zähne putzt. 

“In den verdammten Spiegel, sollte man nicht hinein sehen.”, denkt sie, und noch: “Jeden verdammten Tag das Selbe.”

Genau. Jeden Tag. Dabei dreht sie sich um und wandert zurück ins Schlafzimmer. Weiterschlafen. 

Auch keine Lösung. Es ändert ja nichts. Das Leben geht weiter, das wird einem ja immer gesagt. Also los. 

Während sie sich schnell eine Scheibe Käse aus dem Kühlschrank schnappt denkt sie noch, dass das sicher wieder so ein langer Tag wird. So ein langer Tag. An dem man sich schon morgens wünscht, er wäre schon vorbei. 

Aber Stopp. Halt. Nein. Das bedeutet ja wieder ein Tag mehr. 

“Die Zeit rennt so schnell”, denkt sie, “sie rennt so schnell und morgen wache ich auf und es hat schon wieder ein neuer Monat angefangen.”

Und doch sind alle Tage gleich.

Sie läuft schnell zurück ins Bad um ihr Haar in einen Dutt zu stopfen. Dann macht sie sich auf den Weg. 

Die Tür hinter ihr fällt leise ins Schloss. Und dann ist absolute Stille in der Wohnung. 

Abends kommt sie spät heim, die Stille hat auf sie gewartet. Sie streift ihre Schuhe am Eingang ab und tappt ins Schlafzimmer. 

Als sie endlich daliegt, umzingelt von der Ruhe ihrer Wohnung, kurz vorm Einschlafen, denkt sie nur: “Morgen geht es wieder einfach weiter.” Und noch: “Ja morgen. Weiter. Wieder ein Tag mehr. Ja morgen, da ist es fünfunddreißig Tage her.”

Conversation. 

 As music always dried my tears, made me smile and gave me the feeling to be understood -I think music is our chance to heal a lot. 

It helps us to transmit things we are maybe not brave enough to say,

or put the feelings in music we are never able to put in words. 

Music connects us. 

When we play together, we will just have this one thing together. 

It’s not about our fights, our misunderstanding that we maybe have when we talk. We just play then and share. Make each other understand. We just have that conversation through the music. A conversation so beautiful, even when we transmit the things that hurts, a conversation we can all understand.

Ändern.

Klar. Wir wissen alle nichts hält für immer.

Aber man denkt, mit zunehmendem Alter umso mehr, das die Dinge zählen.

Die Krisen, die man zusammen durchgestanden hat, all die guten und schlechten Momente, die man gemeinsam überstanden hat.

Man denkt, sie bedeuten etwas.

Nein.

Vielleicht nur, dass man damit doch irgendwie noch verbunden ist.

Aber Menschen ändern sich.

Wir haben uns gegenseitig die Hand gehalten, ich war für dich da, als du Hilfe gebraucht hast.

Und du für mich?

Jetzt würde ich dich gerne manchmal an deinen Haaren packen und sagen: “Sieh hin! Da sind wir!”

Während ich noch einmal Momente sehe, in denen wir zusammen gekämpft haben.

Wir haben zusammen gekämpft gegen die Ungerechtigkeit. Als du aufgeben wolltest, bin ich für dich in die Schlacht gezogen. Und du hinterher, weil du mich dann doch nicht alleine dort stehen lassen konntest.

Aber wir vergessen, dass Menschen sich ändern.

Menschen ändern sich.

Und leider, nicht alle zum Guten.

Es gibt da jemanden…

…der jeden Tag die Welt verändern kann. 

Diese Person kennt jedermann. 

Denn diese Person bist du. 

Du, der das gerade hier liest. 

Du, der gerade irgendwo sitzt und zweifelt. 

Du, an den ich vielleicht denke während ich hier schreibe. 

Du kannst verändern. Die Welt. 

Wenn du jemandem morgens mit einem Lächeln begegnest, den du nicht kennst.

Wenn du jemanden zufällig im Park triffst und ein plötzlich erfrischendes Gespräch führst. 

Du veränderst jeden Tag tausend kleine Welten von vielen Anderen,

die auch deine Welt jeden Tag ein Stück verändern. 

Du hast es in der Hand. 

Verändere und lächle dabei. 

Du kannst nie wissen was du bewirkt hast. 

Vielleicht hat der alte Mann, den du heute morgen in der Bahn angelächelt hast, dank dir wieder neuen Mut gefasst, weil dein Lächeln so ansteckend war. 

Verändere. Jeden Tag ein Stück. 

Diese vielen kleinen Welten. 

Und lass dich verändern. Anstecken vom Lachen. 

Wir alle können etwas ändern. Jede Minute, in dieser Welt. 

Umdrehen.

“Es ist zu spät.”

Das Ticken. In meinem Kopf.

Es wird lauter, pochend.

Aber das Leben – ist keine Uhr.

Kann die Zeiger noch so fest packen,

es geht nicht zurück.

Stelle mir vor, während ich rückwärts gehe.

Wie alles mit mir, auch rückwärts läuft.

Doch schon wieder ein neuer Morgen.

Sie nennen es: “Neubeginn”.

Doch es war alles gelogen.

Nicht für alles gibt es eine zweite Chance.

Läufst du vorbei, war’s das auch schon.

Ich laufe zurück, doch es ist nicht mehr da.

Das Ticken. Nur das. Das ist immer da.

Falsche Entscheidung, kein Weg zurück.

Dreh mich im Kreis, doch im Uhrzeigersinn.

Es ist alles ein Wahnsinn,

und die Zeit, sie verrinnt.

Ihr ist es egal, dass ich hier stehe,

mit meiner falschen Entscheidung,

nun auch nicht mehr vorwärts kann.

Will nur noch zurück, doch es ist längst zu spät.

Und sie tickt fröhlich weiter,

als wär’ das alles nie geschehen.