Sehen.

Der Park.
Sicher ein Park wie jeder andere.
Aber wir waren oft zusammen dort.
Deine Küche.
Nichts besonderes.
Aber du hast dort oft für mich gekocht.
Die U-Bahn.
Schreckliche Bahn.
Aber wir haben dort zusammen jedermanns Aufmerksamkeit auf uns gezogen.
Dieser Bahnhof.
Einfach nah zu deiner Wohnung.
Oft hast du mich da abgeholt.

Ich kann keinen dieser Orte mehr sehen.
Bin weit weg. Verloren.
Und ich frage mich:
Siehst du mich wenn du dort bist?

Manche sagen, wir verbinden Orte mit Menschen.
Aber ich bin hier, wo wir nie zusammen waren und ich sehe dich.
Jeden Tag.
Und dann spielt mein Gehirn mir Streiche und ich frage mich:
Siehst du mich vielleicht nicht?
Aus den Augen, aus dem Sinn?

Gestern noch. Da sahst du mich.
Deutlicher als jemals zuvor.
Wie könnte das also heute anders sein?
Frage ich mich und hoffe,
dass meine Angst nicht recht behält.

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Was wäre wenn.

Wieder so ein Tag, der meine ganze Energie genommen hat,

soviel in meinem Kopf, dass so schwer ist, belastet.

Und wieder so viele Momente, alte Freunde gesehen,

ihr Leben, so viel Sicherheit, so viel Liebe.

Und dann ich, die nach all dem nie strebte,

und es auch immer noch nicht tut.

Ich warte auf ein Gefühl, dass ich all die Dinge auch will,

ich zweifel, verdamme meine Unsicherheit.

Diese Unstetigkeit, jeden Tag alles anders,

heute noch hier, und morgen schon dort,

keine Garantien.

Brauche ich die? Frage ich mich und meine Gedanken schweifen weiter,

zu einer vagen Vorstellung, einer Illusion, wie es sein könnte.

Hätte ich, wäre ich, woanders, alles anders gemacht.

Doch dann sehe ich mich, in der Sicherheit,

wonach so viele streben.

Und sie macht mir Angst.

Vielleicht noch mehr als die Unsicherheit,

ich denke, ich bin noch nicht bereit,

und mag sein, ich werde es nie sein.

Dann habe ich mein Schicksal gewählt,

aber ich kann doch eh nie mehr zurück.

All das hätte, wäre, könnte,

ja es HÄTTE mich vielleicht auch nicht glücklicher gemacht.

Zweifel

Ich habe jedem schon von meinem Glück erzählt,

ich schreie es jedem gerne ins Gesicht.

Ich werde nie müde zu betonen,

wie sehr mich meine Zukunft jetzt schon erfüllt.

Aber meine Zweifel, die behalte ich meist für mich.

Nachts, wenn ich wieder nicht schlafen kann,

kriechen sie an den Wänden herauf,

nähern sich mir unaufhörlich,

umschlingen mich, halten sich an mir fest,

und ich kann mich nicht einmal unter meiner Decke verstecken.

Wenn ich dann manchmal doch den Mut aufbringe,

Jemanden von meinen Verfolgern zu erzählen,

glaubt man mir nicht,

“Alles halb so schlimm, du bist stark,

keine Angst, wenn es Eine schafft, dann du”.

Und so versuche ich jede Nacht alleine zu überstehen,

weiterzumachen, bis zum Morgen durchzuhalten,

dusche den Angstschweiß im Morgengrauen ab,

Strecke mich, erhebe mein Haupt und geh weiter,

erzähle Jedem heute wieder von meinem Glück.

Ja tagsüber vergesse ich sie,

die Zweifel, die sich von meiner Schlaflosigkeit nähren,

mich umzingeln und an mir zerren,

und ich halte es aus und erwarte den Tag,

an dem sie mehr Respekt vor mir haben,

als ich vor ihnen.