Einsam mit dir.

Sommer. Die volle Bahn.

Ich schwitze vor Angst, will dich nicht sehen.

Da war dieses Gefühl, dass ich weg von dir muss.

Manchmal wenn du so warst wie du bist,

wollte ich nicht mehr mit dir reden.

An einem anderen Tag, bin ich aufgewacht,

und du warst schon weg.

Mich zerfraß die Angst, du könntest nicht wieder kommen.

Dabei habe ich die Nacht zuvor, während du neben mir schliefst,

noch überlegt zu fliehen, weil ich mich so einsam fühlte mit dir.

Einmal da bin ich wirklich schon aufgebrochen,

in ein Leben ohne dich.

Da hast du mich festgehalten, in deine Arme genommen

und ich konnte und wollte da nie wieder weg.

Und ich weiß du hast mich oft gehasst,

so vieles an mir, hat dir nie wirklich gepasst.

Und obwohl es mir doch auch genauso ging,

bist du immer zurück gekehrt,

und ich hab das so gerne zugelassen.

Doch dann, unaufhaltsam, musste ich gehen,

meine Flucht war geplant, das hast du gewusst.

Trotzdem hast du versprochen,

dass wir uns wiedersehen.

Winter. In meiner kalten neuen Wohnung.

Jetzt wünsch ich mir, du wärest hier mit mir,

und wir könnten gemeinsam, ein wenig einsam sein.

Doch nun bist du der, der geflohen ist.

Der nicht mehr reden will,

dabei hab ich noch so viel zu sagen.

Zum Beispiel das es mit niemandem schöner ist,

einsam zu sein,

als mit dir.

Advertisements

Abgestellt

Und wenn es mir schlecht geht,

ruf ich noch immer deine Nummer an,

auch wenn ich weiß,

dass sie dein Telefon längst abgestellt haben,

und wenn dann die Frau am anderen Ende sagt,

dass die Nummer nicht vergeben ist,

hör ich nur den Piepton,

und bilde mir ein, es ist die Mailbox.

Und in Gedanken verloren,

spreche ich dir rauf und sage mir,

morgen rufst du mit Sicherheit zurück.

Ja, ich weiß, dieser Anruf kommt nie mehr,

aber es beruhigt mich manchmal, selten,

es mir nur vorzustellen,

es könnte doch so sein.

Es wär’ alles nur ein Albtraum und du stehst gleich vor mir,

so wie damals, immer lachend, immer froh,

und wenn wir mal verzweifelt waren,

zogen wir uns gegenseitig wieder hoch.

Und wenn ich dein Lachen doch zu sehr vermiss’,

dann mach ich mich auf den Weg,

zu deiner Wohnung – und drück die Klingel ganz fest.

Wenn du mir dann nicht öffnest,

denk ich nur, du bist nur kurz im Supermarkt,

und warte still vor deiner Tür.

Und wenn du dann wie immer jetzt, nicht kommst,

sag ich mir selbst, du bist bestimmt noch ausgegangen.

Manchmal doch, öffnet mir dieser andere Mann die Tür,

redet wild auf mich ein, doch ich hör nur was ich hören will:

Er ist verreist, kommt nächste Woche schon zurück.

Und ich geh nach Haus’ und warte dort auf dich.

Jetzt sitz ich hier und wähle diese Nummer,

die einst dir gehört’,

und ich hab Angst vor dem Tag,

an dem sie sie neu vergeben ist,

und mich am anderen Ende,

plötzlich jemand anderes begrüßt.

Berlin

Zeit für eine Aufzählung:

Vermisse es mittags aus einem Club zu stolpern und die Sonne zu verfluchen, 

die mir so widerlich ins Gesicht scheint, obwohl ich doch nur schlafen möchte.

Vermisse die Menschen in den öffentlichen Verkehrsmitteln, die jeden böse anschauen,

weil eigentlich jeder ständig schlechte Laune hat.

Vermisse es, in die S-Bahn zu steigen mit Adrenalin im Blut –

und mit purem Egoismus mir noch einen Sitzplatz zu sichern.

Vermisse meine Arbeit und das Publikum, dass mich so nervt,

weil sie ihre Getränkebestellung dreimal ändern,

nachdem ich das Bier schon gezapft habe.

Vermisse Diskussionen mit total zugedröhnten Menschen,

die überhaupt keinen Sinn machen und nirgendwo hinführen.

Vermisse den Trubel, in viel zu großen Einkaufszentren,

der mich total aggressiv macht.

Vermisse es, morgens am Bahnsteig zu stehen –

und die Bahn kommt mal wieder nicht.

Vermisse es, mich über die Stadt aufzuregen,

da sie mir angeblich doch nur Unglück bringt.

Vermisse es der Sucht zu folgen,

ich könnte jeden Tag etwas besseres finden,

nur weil das jeder dort so macht.

Vermisse es nächtelang in verqualmten Kneipen zu sitzen,

mit den Menschen, die mir am nächsten stehen,

und stundenlang zu schimpfen,

auf alle die Dinge,

die ich nun vermisse.