149

In seiner Wohnung ist alles wie immer. Alles noch da wo es vorher war. Sie wirkt wie immer ein bisschen leer, wie immer ein wenig unaufgeräumt. Er sitzt auf einem Hocker, sie ihm gegenüber, während er ihr das nächste Toastbrot reicht. 

“Ein bisschen wie früher”, denkt sie noch und das vielleicht doch alles wieder hier her führen sollte. 

Es ist ewig her, dass sie das letzte Mal hier war, ein gefühltes Jahrhundert – und während sie noch einen Bissen nimmt, spürt sie seine Blicke. Wie früher. So vertraut. Und doch irgendwie anders. 

Sie hatten sich gestritten, da in der fremden Stadt, dem fremden Land, in dem sie nie gemeinsam gelebt hatten. Eigentlich war es auch gar kein Streit. Mehr ein Abschied. So einer, nach dem nichts ist wie zuvor und man weiß, dass es nun kein Zurück mehr gibt. 
Und doch sind sie jetzt hier. Werfen sich verstohlene Blicke zu und frühstücken zusammen. So wie früher. Nur anders. 
Zwei Tage später sitzt sie auf dem gleichen Hocker, sie lachen. Noch ein bisschen irritiert von all dem was passiert ist. Sie fragt sich noch kurz wie seltsam das ist, dass nach all den Missverständnissen, nach den Abschieden und zu großen Unterschieden jetzt plötzlich alles sich so richtig anfühlt. Das sie nach all den Verletzungen sich wieder gefunden haben, zwischen ein paar Toastbrots, Sex in der Dusche, Sonnen im Park und langen Gesprächen über all das, was sie in all der Zeit nie ausgesprochen hatten. 
Es fühlt sich anders an. Aber anders besser. Er schaut sie an und grinst. 

“Lass uns noch in den Park gehen”, sagt er und nimmt sie an der Hand. 

Die Sonne im Gesicht, liegen sie ausgestreckt direkt auf dem Gras und träumen von einer besseren Zukunft. Er streicht ihr über den Bauch. Sie lächelt. Die Sonne und seinen Atem im Gesicht. 
Es sind noch 149 Tage bis dahin. 

Bedeutend unbedeutend.

Ich gehörte schon immer zu den Menschen, die daran geglaubt haben, dass unsere miteinander verwobenen Geschichten und Erlebnisse uns zusammenschweißen. Das sie uns irgendwie alle, unsichtbar, aneinander kleben.

Was wenn nicht das klassische “durch dick und dünn” sollte uns zusammenhalten…

Aber nun sitze ich hier und habe wieder meinen eigenen Glaubenssatz verloren, suche ihn, finde ihn nicht mehr, immer und immer wieder.

Zwischen dir und mir ging es um nicht viel weniger, als um ein würdiges Leben, wir haben gekämpft, Seite an Seite, und so oft einer aufgeben wollte, hat der Andere ihn wieder mitgezogen.

Ich weiß noch, dass mir immer unglaublich klar war, dass du einer der Menschen bist, dem Zusammenhalt etwas bedeutet. Verbindungen reißen nicht. Umso mehr hast du mir immer mehr dieses Gefühl verdeutlicht, wenn du mir von deiner Familie und Freunden erzähltest, so weit weg, so viele Jahre hattest du sie nicht gesehen. Und doch immer in Verbindung.

Als ich sie das erste Mal traf, wurde diese Verbindung umso deutlicher für mich.

Und mir war klar: Egal was zwischen uns jemals passiert, am Ende werden wir immer noch füreinander da sein.

Jetzt schaue ich aus dem Fenster und höre die Stimmen aus der Gasse, sie klingen so nah und sind doch so fern. So fern wie du. Dabei haben uns doch sonst Distanzen nie etwas anhaben können. Aber diese Distanz ist anders. Man kann sie nicht in Kilometern messen und auch nicht in Zeit, die man bräuchte um den Anderen zu erreichen. Diese Distanz bedeutet, dass alles jetzt nichts mehr bedeutet.

Das unsägliche Schweigen ist ihr Futter und sie nährt sich davon, die Distanz.

Und das Schlimmste ist, sie kam so plötzlich. Nichts ist passiert, auf einmal, da hast du dich, so aus meinem Leben geschlichen, nicht ohne mir kurz vorher noch zu versichern, dass ich zu den wenigen Menschen gehöre, die du nie bereut hast kennen gelernt zu haben. Und dann folgte die Stille.

Die Stille ist seitdem unsäglich laut angeschwollen und sie erzählt stumm jeden Tag:

Was du eben noch für bedeutsam hieltest, kann im nächsten Moment schon ganz unbedeutend sein.

Conversation. 

 As music always dried my tears, made me smile and gave me the feeling to be understood -I think music is our chance to heal a lot. 

It helps us to transmit things we are maybe not brave enough to say,

or put the feelings in music we are never able to put in words. 

Music connects us. 

When we play together, we will just have this one thing together. 

It’s not about our fights, our misunderstanding that we maybe have when we talk. We just play then and share. Make each other understand. We just have that conversation through the music. A conversation so beautiful, even when we transmit the things that hurts, a conversation we can all understand.

Ändern.

Klar. Wir wissen alle nichts hält für immer.

Aber man denkt, mit zunehmendem Alter umso mehr, das die Dinge zählen.

Die Krisen, die man zusammen durchgestanden hat, all die guten und schlechten Momente, die man gemeinsam überstanden hat.

Man denkt, sie bedeuten etwas.

Nein.

Vielleicht nur, dass man damit doch irgendwie noch verbunden ist.

Aber Menschen ändern sich.

Wir haben uns gegenseitig die Hand gehalten, ich war für dich da, als du Hilfe gebraucht hast.

Und du für mich?

Jetzt würde ich dich gerne manchmal an deinen Haaren packen und sagen: “Sieh hin! Da sind wir!”

Während ich noch einmal Momente sehe, in denen wir zusammen gekämpft haben.

Wir haben zusammen gekämpft gegen die Ungerechtigkeit. Als du aufgeben wolltest, bin ich für dich in die Schlacht gezogen. Und du hinterher, weil du mich dann doch nicht alleine dort stehen lassen konntest.

Aber wir vergessen, dass Menschen sich ändern.

Menschen ändern sich.

Und leider, nicht alle zum Guten.

Es gibt da jemanden…

…der jeden Tag die Welt verändern kann. 

Diese Person kennt jedermann. 

Denn diese Person bist du. 

Du, der das gerade hier liest. 

Du, der gerade irgendwo sitzt und zweifelt. 

Du, an den ich vielleicht denke während ich hier schreibe. 

Du kannst verändern. Die Welt. 

Wenn du jemandem morgens mit einem Lächeln begegnest, den du nicht kennst.

Wenn du jemanden zufällig im Park triffst und ein plötzlich erfrischendes Gespräch führst. 

Du veränderst jeden Tag tausend kleine Welten von vielen Anderen,

die auch deine Welt jeden Tag ein Stück verändern. 

Du hast es in der Hand. 

Verändere und lächle dabei. 

Du kannst nie wissen was du bewirkt hast. 

Vielleicht hat der alte Mann, den du heute morgen in der Bahn angelächelt hast, dank dir wieder neuen Mut gefasst, weil dein Lächeln so ansteckend war. 

Verändere. Jeden Tag ein Stück. 

Diese vielen kleinen Welten. 

Und lass dich verändern. Anstecken vom Lachen. 

Wir alle können etwas ändern. Jede Minute, in dieser Welt. 

Einsam mit dir.

Sommer. Die volle Bahn.

Ich schwitze vor Angst, will dich nicht sehen.

Da war dieses Gefühl, dass ich weg von dir muss.

Manchmal wenn du so warst wie du bist,

wollte ich nicht mehr mit dir reden.

An einem anderen Tag, bin ich aufgewacht,

und du warst schon weg.

Mich zerfraß die Angst, du könntest nicht wieder kommen.

Dabei habe ich die Nacht zuvor, während du neben mir schliefst,

noch überlegt zu fliehen, weil ich mich so einsam fühlte mit dir.

Einmal da bin ich wirklich schon aufgebrochen,

in ein Leben ohne dich.

Da hast du mich festgehalten, in deine Arme genommen

und ich konnte und wollte da nie wieder weg.

Und ich weiß du hast mich oft gehasst,

so vieles an mir, hat dir nie wirklich gepasst.

Und obwohl es mir doch auch genauso ging,

bist du immer zurück gekehrt,

und ich hab das so gerne zugelassen.

Doch dann, unaufhaltsam, musste ich gehen,

meine Flucht war geplant, das hast du gewusst.

Trotzdem hast du versprochen,

dass wir uns wiedersehen.

Winter. In meiner kalten neuen Wohnung.

Jetzt wünsch ich mir, du wärest hier mit mir,

und wir könnten gemeinsam, ein wenig einsam sein.

Doch nun bist du der, der geflohen ist.

Der nicht mehr reden will,

dabei hab ich noch so viel zu sagen.

Zum Beispiel das es mit niemandem schöner ist,

einsam zu sein,

als mit dir.

Unpassend.

Was passt kann man verpassen.

Verpassen uns, und passen nicht.

Und wenn wir passen, passt es gerade nicht.

Was gut zu sein scheint,

ist manchmal doch mehr Schein als Sein,

wir sind nicht mehr – und scheinen doch zu sein.

Wir leiden still, ein stilles Leiden,

Und schreist du laut, hör ich dich nicht.

Und hör ich doch, versteh ich nichts.

Du schaust mich an, doch siehst mich nicht,

so gehen wir jeden Tag, zusammen,

aneinander vorbei. Und wenn wir uns treffen,

treffen wir nur mit spitzen Pfeilen.