Abgestellt

Und wenn es mir schlecht geht,

ruf ich noch immer deine Nummer an,

auch wenn ich weiß,

dass sie dein Telefon längst abgestellt haben,

und wenn dann die Frau am anderen Ende sagt,

dass die Nummer nicht vergeben ist,

hör ich nur den Piepton,

und bilde mir ein, es ist die Mailbox.

Und in Gedanken verloren,

spreche ich dir rauf und sage mir,

morgen rufst du mit Sicherheit zurück.

Ja, ich weiß, dieser Anruf kommt nie mehr,

aber es beruhigt mich manchmal, selten,

es mir nur vorzustellen,

es könnte doch so sein.

Es wär’ alles nur ein Albtraum und du stehst gleich vor mir,

so wie damals, immer lachend, immer froh,

und wenn wir mal verzweifelt waren,

zogen wir uns gegenseitig wieder hoch.

Und wenn ich dein Lachen doch zu sehr vermiss’,

dann mach ich mich auf den Weg,

zu deiner Wohnung – und drück die Klingel ganz fest.

Wenn du mir dann nicht öffnest,

denk ich nur, du bist nur kurz im Supermarkt,

und warte still vor deiner Tür.

Und wenn du dann wie immer jetzt, nicht kommst,

sag ich mir selbst, du bist bestimmt noch ausgegangen.

Manchmal doch, öffnet mir dieser andere Mann die Tür,

redet wild auf mich ein, doch ich hör nur was ich hören will:

Er ist verreist, kommt nächste Woche schon zurück.

Und ich geh nach Haus’ und warte dort auf dich.

Jetzt sitz ich hier und wähle diese Nummer,

die einst dir gehört’,

und ich hab Angst vor dem Tag,

an dem sie sie neu vergeben ist,

und mich am anderen Ende,

plötzlich jemand anderes begrüßt.

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Ich gehe…

Video

Es ist komisch,

immer wollte ich hier weg,

und jetzt wo der Tag,

immer näher rückt,

sehe ich die Schönheit wieder,

dieser Stadt.

Mein Herz kann hier wieder lachen,

die Sonne scheint wieder in mein Gesicht,

so schön, so schrecklich schön,

das bist du,

geliebt, gehasste Heimatstadt.

Und plötzlich gibt es da auch Liebe,

die die bleibt,

und nicht so schnell verglüht,

die Tage laufen,

sie laufen mir davon,

doch jeder schöner,

immer besser.

Doch ich weiß,

ich muss gehen

und das Land verlassen,

denn diese Schönheit seh’ ich nur

im Gehen,

werd wieder kommen,

nur zu Besuch,

und hör dein Lachen,

du geliebt, gehasste,

Heimatstadt.

Dazu passend von Clueso:

Thinking. Existing.

“My thought is me: that’s why I can’t stop. I exist because I think … and I can’t stop myself from thinking. At this very moment—it’s frightful—if I exist, it is because I am horrified at existing. I am the one who pulls myself from the nothingness to which I aspire: the hatred, the disgust of existing, there are as many ways to make myself exist, to thrust myself into existence. Thoughts are born at the back of me, like sudden giddiness, I feel them being born behind my head … if I yield, they’re going to come round in front of me, between my eyes— and I always yield, the thought grows and grows and there it is, immense, filling me completely and renewing my existence.”
Jean-Paul Sartre